Die Shakuhachi als Instrument für Biofeedback

dieser Artikel ist ein Entwicklungsprojekt, im Rahmen der Beobachtungen von Kursen und Einzelstunden die ich gebe.

 

Allgemeines zum Biofeedback

 

Mit dem Begriff Biofeedback wird eine Methode bezeichnet, bei der Veränderungen von Zustandsgrößen biologischer Vorgänge, die der unmittelbaren Sinneswahrnehmung nicht zugänglich sind, mit technischen, oft elektronischen, Hilfsmitteln beobachtbar, d. h. dem eigenen Bewusstsein zugänglich gemacht werden. Biofeedback weist eine inhaltliche Nähe zu verhaltenstherapeutischen und lerntheoretischen Ansätzen auf.  Es wird häufig zur Entspannung eingesetzt.

 

Körpereigene innerliche Regulationsvorgänge sind dem Bewusstsein häufig nicht direkt zugänglich, so dass bei Ungleichgewichten auch nicht bewusst auf den Regelkreis eingewirkt werden kann. Biofeedback dient dazu, eine Körperfunktion dem Bewusstsein zugänglich zu machen. Dies geschieht im Allgemeinen durch Töne (Lautstärke, Tonhöhe oder Klangfarbe) oder Visualisierungen. Es wird versucht aufgrund dieser Rückkopplung eine Verbesserung der Regulation zu erzielen.

 

Der Regelkreis beim Spielen der Shakuhachi

 

An der Blaskante erfolgt auf einer ca. 1mm² kleinen Fläche die Tonbildung.

 

Die Bedingungen für die Tonbildung haben folgende Einflussfktoren:

  • Sitzhaltung
  • Tonus der Körpermuskulatur
  • Atemvolumen (volle Atmung)
  • Tonus der Atemmuskulatur / Atmung
  • Atmen aus dem HARA (vertiefte Unterbauchatmung)
  • Atemgeschwindigkeit
  • Geschwindigkeit des Luftstrahl
  • Strahlform der Atemluft (auftreffen auf die Blaskante)
  • Winkel des Luftstrahl zur Blaskante

 

Tonbildung

 

Trifft der Atemstrom unter bestimmten voraussetzungen die Blaskante (s. o.g. Faktoren) so bildet sich ein Ton (Obertöne, Ton der unteren Oktave, Ton der oberen Oktave). Auch die Klangfarbe hängt mit den genannten Faktoren zusammen.

 

Wegen der nur sehr kleinen Wirkfläche zur Tonbildung, wird Tonbildung und Klangfarbe bereits durch sehr subtile Veränderung im auftreffenden Atemstrahl beeinflusst.

 

Bereits kleinste, unbemerkte Abweichungen in der Sitzhaltung können die Tonbildung und damit das Auftreffen des Atemstrahl beeinflussen.

 

Ferner:

Spannungen und/oder Schlaffheit in der Muskulatur (Atem- und Körperhaltungsmuskulatur)

Innere emotionle Verfasstheit, die wiederum den Tonus unbemerkt beeinflusst (Spannung/ Schlaffheit).

 

Die Tonbildung erfolgt bei wiederholter Übung mit zunehmendem Gespür für die o.g. Einflussgrößen. Sofern sich ein Ton bildet, kann dieser ebenso durch Einfluss auf die genannten Faktoren modifiziert werden.

 

Die Modulation der Tonhöhe durch den Winkel von Atemstrom und Blaskante ist bei fortgeschrittenem Üben eine weitere Möglichkeit im Sinne von "Wahrnehmen und Gestalten können".

 

Den Ton bilden,

dem Ton Lauschen,

den Ton formen

 

dem Ton Lauschen,

den Ton formen

usw.

 

Die Besonderheit der unmittelbarkeit von Tonbildung, Lauschen und Modultion fokussiert die Aufmerksamkeit und ist zugleich eine Präsenzübung (hier und jetzt).

 

Achtsamkeitsverfahren

 

Achtsamkeitsprogramme und Methoden wie z.B. MBSR* üben mit dem eigenen Körper. Erleben und wahrnehmen von Gedanken /Gefühlen - ohne äußere Hilfsmittel. Es gibt bei MBSR paralellen zum Zazen.

 

* Körperwahrnehmung / Yogastellungen / „Stillen Sitzens“ (Zazen) / langsamer Bewegungen, etwa in der Form der traditionellen „Gehmeditation“ (Kinhin) / dreiminütige Achtsamkeitsübung (Atemmeditation) / Aufrechterhaltung der Achtsamkeit auch bei alltäglichen Verrichtungen.

 

Die Shakuhachi (auch das Schwert) sind Hilfsmittel, die die Schulung der Beobachtung von Erlebtem unterstützen. Sie haben auch die Funktion "Inneres" nach aussen zu bringen, der Beobachtung (auch durch Dritte) zugänglich zu machen. Dadurch können Shakuhachi und Schwert eine Kombination von Achtsamkeitsverfahren mit Biofeedback ermöglichen, bei Gleichzeitiger Schulung von Beobachtungsvermögen, Haltungs- und Atemschulung.